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Loslassen und Verzeihen lernen
- in 5 umsetzbaren Schritten -

Im letzten Artikel habe ich beschrieben, wieso Verzeihen zu 100% mit dir zu tun hat. Hier geht es jetzt darum, wie du lernen kannst zu verzeihen und Belastendes loszulassen. Ich teile mit dir meine 5 Schritte und zeige dir, wie du sie konkret für dich umsetzen kannst.

Warum überhaupt verzeihen und loslassen?

Du kannst nur gewinnen. Wenn du verzeihst, alte Verletzungen heilst und lernst loszulassen, tauschst du Schmerz, Wut und Kampf gegen Freiheit und Raum für Neues. Du richtest deine Energie nicht mehr weg von dir, auf jemand anderes und in die Vergangenheit sondern hin zu dir und deiner Zukunft. Du löst alte Blockaden auf und stehst dir dadurch weniger selber im Weg.

Wenn es mit Menschen zu tun hat, die auch jetzt Teil deines Lebens sind, schaffst du so die Chance für eine ganz neue Beziehung frei von Vorwürfen. Alte Verletzungen beeinflussen unser Verhalten und so vergiften wir oft unsere Beziehungen. Indem du diese Verletzungen durch Verzeihen und Loslassen heilst, endet das vergiftende Verhalten und du kannst wieder Kraft aus dieser Beziehung schöpfen.

Indem du den Kampf mit dem Vergangenen beendest, hast du plötzlich viel mehr Energie und Raum für deine Gegenwart und die Gestaltung deiner Zukunft. Die Energie hast du bisher mit negativen Gefühlen nach außen, also von dir weg gerichtet. Wenn du verzeihst kannst du sie mit positiven Gefühlen nach innen, also hin zu dir, richten. Um es ein wenig deutlicher zumachen, möchte ich einige Beispiele aus meinem Leben mit dir teilen.

Einige Beispiele aus meiner persönlichen Erfahrung

Indem ich mein früheres Ich und Verhalten nicht nur verstanden sondern mir auch verziehen habe, bin ich mit mir selbst ins Reine gekommen. Ich habe gelernt, mich so zu lieben wie ich bin. Ich habe eine liebevolle, achtsame und verständnisvolle Beziehung zu mir entwickelt. Das ist nicht nur beim Blick in die Vergangenheit spürbar, sondern auch an jedem einzelnen Tag. Ich kämpfe weniger mit mir selber, bin stattdessen verständnisvoll und gebe mir das, was ich brauche. Seitdem komme ich viel besser und vor allem glücklicher und entspannter voran.

Eine große Befreiung war der Moment, als ich meiner Mutter verziehen habe. Wir waren so sehr im Kampf. Jedes Treffen war wahnsinnig anstrengend und hat mich ausgelaugt. Auf der Basis der alten Verletzungen entstanden zusätzliche neue Verletzungen. Es war einfach nur anstrengend und traurig. Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als mir klar wurde, dass ich dieses Schlachtfeld verlassen habe, als ich ihr als Mutter und mir als Tochter verziehen habe. Dieses Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit werde ich niemals vergessen. Und die Treffen sind seitdem nicht nur entspannter geworden, ich freue mich sogar darauf. Im Gegensatz zu früher ist das eine riesengroße und wunderbare Veränderung und ich bin gespannt, wie es sich noch entwickeln wird.

Ich mag plötzlich Ingwer. Dies ist eine eher amüsante Nebenwirkung, die mir aber gezeigt hat, wie machtvoll Verzeihen und Loslassen sind. Aufgrund einer nicht so schönen Kindheitserfahrung konnte ich Ingwer nicht riechen. Den Geschmack kannte ich gar nicht, da ich bei dem Geruch sofort weg war. Als ich mit der vierten Übung eine andere Geschichte aus meiner Kindheit aufgelöst und losgelassen habe, kaufte ich mir am nächsten Tag im Supermarkt plötzlich Ingwer. Ich war selber völlig überrascht darüber. Plötzlich konnte ich den Geruch wirklich wahrnehmen und finde ihn seitdem sehr spannend und mag ihn. Auf den Geschmackstest war ich dann natürlich besonders neugierig. Seitdem trinke ich regelmäßig Ingwertee.

Ich habe in meiner Jugend und auch später sehr schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht. In sexuellen Beziehungen (Übergriffe und versuchte Vergewaltigung), bei Vertrauensverhältnissen (die Beziehung zu meinem Vater) und auch mit Fremden (z.B. der Überfall). Hätte ich mit all diesen Erlebnissen nicht Frieden geschlossen, könnte ich heute nicht die Beziehungen führen, die ich habe. Ich könnte Männern nicht vertrauen und sie nicht an mich heranlassen. Doch da das für mich nie eine Option war, blieb mir nichts anderes, als zu verzeihen, zu verstehen und loszulassen. Und dafür bin ich wahnsinnig dankbar.

Auch die in meinen Augen schönste Geschichte möchte ich dir nicht vorenthalten. Meine kleine Schwester ist heute meine beste Freundin. Wir sind richtig dicke miteinander. Wir teilen unsere Träume und Sorgen, unterstützen uns bei unseren Projekten und verbringen viel Zeit miteinander. Sie ist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Doch auch bei uns gab es andere Zeiten. Es gab eine Phase, wo wir uns sogar bei Facebook geblockt haben (dafür muss schon echt was passieren) und kein Wort miteinander gesprochen haben. Doch wir haben uns wieder angenähert und die Seite des anderen kennen und verstehen gelernt. In diesem Prozess haben wir nicht nur dem jeweils anderen sein Verhalten und seine Worte, sondern auch uns selbst unser eigenes Verhalten verziehen. Und wir haben eine wahnsinnig enge, liebevolle und wunderbare Beziehung gewonnen.

Wie funktioniert das Ganze?

Es ist immer leicht zu sagen, du musst verzeihen und loslassen lernen. Aber wie lernt man das? Wie geht das? Ich habe mein Verhalten analysiert, versucht herauszufinden, was ich jeweils getan habe, wie ich es geschafft habe. Die Ergebnisse habe ich für dich in 5 Punkten zusammengetragen. Meine Recherche hat ergeben, dass andere ganz ähnlich vorgegangen sind. Ich bin mir aus meiner Erfahrung und der Erfahrung anderer sicher, dass es auch dir helfen kann.

1. Was lässt du hinter dir und was gewinnst du?

Ich habe es oben schon angesprochen und dir Beispiele gegeben, was du gewinnen kannst. Oftmals haben wir Angst, so einen Schritt zu gehen, weil wir nicht wissen, was uns erwartet. Helfen kann in dem Fall, dass du dir einmal überlegst, was du loslässt, wenn du den Schritt gehst. Das können Dinge wie Wut, Traurigkeit und Blockaden sein.

Und auf der anderen Seite: was kannst du gewinnen? Stell dir die Leichtigkeit und Freiheit vor die du erreichst, wenn du die negativen Gefühle loslässt. Oder die befreite Beziehung ohne Vorwürfe. Vielleicht auch die Chance, endlich wieder so etwas wie eine Beziehung aufzubauen. Was gewinnst du, wenn du den Schritt gehst?

" Was ist dein Gewinn? "

2. Nimm dir Zeit und fühle die Gefühle

Zu verzeihen und loszulassen bedeutet nicht, dass es nicht schmerzt oder dir egal ist. Daher ist es nicht nur okay, sondern meiner Meinung nach absolut notwendig, die Gefühle zu fühlen und dir Zeit zu geben. Ich glaube, dass wir unsere Gefühle haben, um sie wahrzunehmen und zu fühlen. Tun wir das nicht, können sie auch nicht gehen.

Wenn du wütend bist und enttäuscht, geh auf ein Feld, einen Berg, ans Meer und schrei deine Wut, deine Enttäuschung deinen Schmerz hinaus. Wer das einmal gemacht hat weiß, wie befreiend das ist. Wenn der Schmerz und die Trauer überwiegen dann lass es raus und weine. Lass den Tränen freien Lauf, sie haben eine sehr reinigende Wirkung.

Ich meine damit nicht, dass du dich in deinem Schmerz und deiner Wut verlieren sollst. Aber die Gefühle sind da und sie sind vollkommen okay. Wenn wir sofort weitergehen und die Gefühle ignorieren, setzen sie sich fest und verursachen Blockaden. Also nimm dir die Zeit.

Wie ausgiebig du diesen Punkt umsetzt hängt von vielen Dingen ab. Wie lange ist die Verletzung her? Wie tief ging sie? Wie stark sind die Gefühle heute noch? Inwieweit hast du es schon bearbeitet? Es gibt keine allgemein gültige Antwort darauf, wie lange du dir Zeit nehmen musst und wie intensiv du die Gefühle noch rauslassen musst. Manchmal ist dieser Punkt sogar gar nicht mer notwendig. Geh auf Entdeckungsreise zu dir selbst und finde es raus.

… schrei deine Wut raus und lass deinen Tränen freien Lauf…    

3. Verstehe dein Verhalten und dein Ich

Im Artikel über das Verzeihen habe ich geschrieben, dass es oft gar nicht um das Verhalten des anderen, sondern um unser eigenes geht. Lass das Verhalten des anderen ruhen und konzentriere dich auf dich. Wie hast du reagiert? Wieso hast du so reagiert? Wusstest du ind er Situation vielleicht etwas noch nicht, was heute für dich selbstverständlich ist? Im Rückblick mögen deine Entscheidungen vielleicht nicht immer richtig gewesen sein, doch in dem Moment waren sie es aus deiner Sicht. Also lerne das Verhalten deines damaligen Ichs kennen.

Allein das Verstehen reicht oft schon aus, um es dir liebevoll zu verzeihen und dir keine Vorwürfe mehr zu machen. Es tut aber gut, diesen Schritt wirklich bewusst zu gehen. Wenn du verstanden hast, wieso du so und nicht anders gehandelt und reagiert hast, dann schließe die Augen und stelle dir dein damaliges Ich vor. Schau deinem früheren Ich in die Augen und sage „Es ist okay, ich verstehe dich. Ich weiß, du hast dein Bestes gegeben und dafür danke ich dir.“

Wenn du dich mit Visualisierungen schwer tust oder auch, wenn die entsprechende Situation noch nicht lange her ist, kannst du das Ganze auch vor einem Spiegel machen. Beide Varianten sind nicht unbedingt leicht. Sich selber in die Augen schauen kann eine kleine bis große Herausforderung sein. Aber mindestens genauso groß ist der Gewinn, den du dadurch erhältst. Übrigens: je mehr du diese Übung ablehnst, umso dringender solltest du sie einmal ausprobieren. Und dabei ist es vollkommen okay, wenn du am Anfang nur einige wenige Sekunden schaffst. Starte da, wo du jetzt bist und gehe einen kleinen Schritt vorwärts.

" Umarme dich selbst! Von ganzem Herzen! "

4. Wofür war es wertvoll?

Hast du schon einmal etwas von Resilienz gehört? Das beschreibt die psychische Widerstandskraft eines Menschen. Und die ist trainierbar. Menschen mit einer hohen Resilienz schaffen es, auch in den schwierigen Situationen einen Sinn zu sehen, beziehungsweise ihnen einen Sinn zuzuweisen. Denn alles hat nur so viel Sinn, wie du dem gibst.

Kleine Anekdote aus meiner Vergangenheit: 2014 habe ich meine Wohnung verloren und bin für 13 Tage in eine Kriseninterventionsstation gegangen. Um dort aufgenommen zu werden muss man mit einem Psychiater des Krankenhauses sprechen und kurz die Situation schildern. Ich hatte also die Nacht vorher nicht geschlafen, den ganzen Tag über versucht einen Weg aus der Situation zu finden, wurde im Krankenhaus behandelt und musste, aufgrund eines Übertragungsfehlers, den ganzen restlichen Tag im Bereich der Notaufnahme warten. Als ich dann endlich gegen 21 Uhr beim Psychiater saß und die Situation schilderte, war ich sowohl körperlich als auch emotion völlig ausgelaugt. Ich erzählte ihm also was los war und endete mit folgendem Satz: „na, aber mal schauen, wofür das hier irgendwann gut ist.“ Der Psychiater schaute mich an wie ein Auto, ich war ja ganz offensichtlich körperlich und psychisch grad komplett am Boden.

Heute weiß ich, dass das die hohe Kunst der Resilienz ist. Schon vor dem Erkennen eines Sinns darauf zu vertrauen, dass es diesen geben wird.

Aber wie lernt man das? Durch Training. Und nun brauchst du Papier und Stift. Falls du ein Tagebuch oder Journal führst kannst du es auch gerne dort hinein schreiben. Bitte, bitte nimm einen Stift und schreibe mit der Hand. Nicht am Computer oder am Handy und nicht nur in Gedanken. Es wirkt so viel besser und effektiver, wenn du es mit deiner Hand auf ein Papier schreibst und vor dir stehen siehst.

Nimm eine Situation, die dich noch blockiert, womit du noch nicht „abgeschlossen“ hast und dazu einen Stift und ein Blatt Papier. Benenne die Situation oder den Zeitraum und schreibe es auf das Papier. Es geht nicht um eine ausführliche Beschreibung, sondern einfach ein Wort oder einen kurzen Satz. Und nun überlege, wofür diese Situation, diese Erfahrung gut war. Was hast du daraus gelernt? Welche guten Sachen haben sich daraus entwickelt? Wem kannst du dadurch heute vielleicht bei seiner Situation helfen? Was wäre ohne diese Situation nie passiert?

Manchmal sind es ganz viele positive Dinge, manchmal nur eine einzige. Wichtig ist, dass du Dinge findest, die du ehrlich glaubst, die in dir das Gefühl auslösen, dass es gut und wichtig war. Manchmal braucht es ein wenig, bis wir etwas finden. Gib nicht auf. Entziehe dich nicht dieser Situation. Es ist so wichtig und so wunderschön, wenn du es am Ende geschafft hast.

Als kleine Anregung möchte ich einige Beispiele mit dir teilen:

negatives Money-Mindset
Ich habe dadurch einen Bereich, in dem enormes Entwicklungspotential steckt. Ich habe dadurch eine enorme Stressresistenz entwickelt.

Unschöne und kraftraubende Joberfahrung
Ich habe in dieser Zeit gelernt, wie viel ich kann und an meine Fähigkeiten zu glauben. Ich habe meinen Wert erstmal annähernd erkannt. Ich habe gelernt, wie ich nicht arbeiten und ein Unternehmen führen will. Ich habe gelernt, dass ich ein Team gut führen kann.

Wohnungsverlust
Ich weiß, wie stark ich sein kann. Ich habe dadurch einen Weg gefunden, der einem Bekannten, der jahrelang obdachlos war, gezeigt hat, dass es möglich ist. So hat er seinen Weg aus der Obdachlosigkeit nach Jahren auch gefunden.

Verhunzte Knie-OPs
Habe dadurch gelernt, Diagnosen und Meinungen von Ärzten in Frage zu stellen und nach Alternativen zu suchen. Habe gelernt, auf meinen Körper und auf meine Intuition zu hören.

Und nun bist du dran. Finde die positiven Seiten an dem was Geschehen ist und weise damit einen Sinn zu. Übung macht hier übrigens den Meister. Also sei nicht zu streng mit dir. Manchmal ist es auch sinnvoll, wirklich einschneidende Erlebnisse nach einigen Monaten oder Jahren nochmal anzuschauen. Wenn wir uns verändern ändern sich auch die Dinge, die wir in unserern vergangenen Erlebnissen sehen.

„Finde die positiven Seiten und weise dem Geschehenen einen Sinn zu.“      

5. Dankbarkeit

Und nun gehe einen Schritt weiter. Wenn du die positiven Seiten an den Erfahrungen gefunden hast, dann bedanke dich für diese Erfahrung. Schriftlich. Schreibe auf „Danke für die verhunzten Knie-OPs. Danke für diese Joberfahrung. Danke für diese Beziehung.“. Schreibe es auf und dann fühle es. Ich bin in Gedanken wirklich zu den beteiligten Menschen gegangen und habe mich bei ihnen persönlich bedankt. Fühlt sich das komisch an? Ja, vielleicht. Aber es ist so wertvoll. Es verstärkt nicht nur das Gefühl der Dankbarkeit, du hast auch die Chance, der Situation inklusive der beteiligten Personen ein gutes und positives Ende zu geben. So ist es viel leichter, es hinter sich zu lassen und befreit nach vorne zu gehen.

" Danke für die verhunzten Knie-OPs. Danke für diese Joberfahrung. Danke für diese Beziehung "

Dein nächster Schritt:

Gib dir die Chance, frei und mit weniger Gepäck voran zu gehen. Leere deinen emotionalen Rucksack aus, räume auf und schaffe Platz für neue, positive Erfahrungen.

Nimm dir heute ein wenig Zeit und schaue eine Situation aus deiner Vergangenheit, die dich heute noch belastet einmal an und gehe die 5 Schritte.

Auf deiner Entdeckungsreise wünsche ich dir alles Gute!

Und nun bin ich wie immer neugierig. Verrate mir in den Kommentaren, wie du diese 5 Schritte findest und welche Erfahrungen du damit gemacht hast.

Deine Esther

4 Comments

    • Esther Veronika Bartels

      Hallo Heike, danke für dein Feedback und viel Freude und neue Freiheit beim Ausprobieren.
      Liebe Grüße Esther

  1. Stefan Rausch

    Großartiger Artikel! Es würde so vielen Menschen gut tun das zu lesen. Mich würde auch noch interessieren, wie du es denn z.B. geschafft hast mit deinen negativen Männererfahrungen Frieden zu schließen?

    • Esther Veronika Bartels

      Hallo Stefan, danke für dein Feedback! Teile den Artikel gerne, dann erreicht er noch mehr Menschen.
      Auch mit meinen nicht immer schönen Erlebnisse mit Männern habe ich auf diese Weise Frieden schließen können.
      1. Was ich zu gewinnen hatte: ich wollte nicht verbittert und distanziert sein, sondern erfüllte Beziehungen führen. Damit hatte ich mein Warum
      2. Ich habe die Gefühle zugelassen. Habe drüber gesprochen und Gedichte zu meinen Gefühlen und Gedanken geschrieben.
      3. Ich habe mich und mein Verhalten angeschaut. Welche Bedürfnisse und Wünsche standen hinter meinem Verhalten? Was habe ich mir erhofft? Weswegen habe ich nicht rechtzeitig die Reißleine gezogen? Welche Gedanken führten zum „Erstarren“ in der Situation selbst? Und ich habe mein jüngeres Ich in den Arm genommen, getröstet und gesagt, dass wir einen Weg finden damit umzugehen. Dieser ganze Prozess ist super persönlich und individuell und der Schritt, bei dem die meisten Menschen Hilfe und Unterstützung benötigen. In meiner Arbeit geht es also viel genau um diesen Schritt.
      4. Wofür war es wertvoll? Da gibt es ganz vieles. Unter anderem weiß ich durch diese Erfahrungen, wie es sich anfühlt, wenn meine Grenzen überschritten werden. Und mittlerweile kann ich die ersten Anzeichen einer Grenzüberschreitung erkennen und somit frühzeitig handeln damit es gar nicht erst soweit kommt.
      5. Ich bin dankbar für diese Erfahrungen. Weil ich mich dadurch besser kennenlernen durfte. Weil ich das Gelernte nun weitergeben darf. Weil ich daran gewachsen bin.

      Und ganz wichtig: Ich habe anderen Männern erlaubt, die Wunde mit zu heilen. Ich habe Männern vorsichtig wieder vertraut und so positive Erfahrungen machen dürfen. Und ich habe mit Männern drüber gesprochen. Über meine Erfahrungen. Über das, was sie als Mann tun können um solche Heilungsprozesse zu unterstützen. Diese Gespräche waren für beide Seiten sehr wertvoll und haben wiederum viel Dankbarkeit erzeugt.

      Verzeihen ist ein Prozess, der Zeit dauern darf. So wird meine Heilung mit jeder positiven Erfahrung mit Männern verstärkt. Es ist nicht abgeschlossen. Aber es ist bereits seit längerer Zeit ein heilsames Thema. Und genau das entsteht durch das Verzeihen: eine negative Erfahrung wird umgewandelt in viele positive Erfahrungen.
      Ich hoffe, ich konnte deine Frage ein wenig beantworten-
      Liebe Grüße Esther

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