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So stärkst du mithilfe von Büchern den Glauben an dich selbst

Wenn du gerne liest, dann kennst du bewundernswerte und inspirierende Buchcharaktere. Figuren, die Herausforderungen meistern und an ihnen wachsen. Vielleicht bewunderst du diese Charaktere für ihren Glauben an sich selbst. Doch bist du jemals auf die Idee gekommen, diese Figuren zu nutzen, um deinen eigenen Glauben an dich selbst zu stärken? Ich möchte dir heute erzählen, wie das möglich ist.

Selbstwirksamkeit und der Glaube an sich selbst

Der Glaube an dich und deine Fähigkeiten wird durch deine Selbstwirksamkeitserwartung bestimmt. Eine hohe Selbstwirksamkeit bedeutet, dass du dir und deinen Fähigkeiten vertraust und Herausforderungen angehst. Bei einer niedrigen Selbstwirksamkeit stellst du dich und deine Fähigkeiten in Frage und gehst Herausforderungen lieber aus dem Weg.

Unsere Selbstwirksamkeit ist dabei nichts Statisches, sondern wird geprägt durch unsere Erfahrungen. Wenn wir uns nicht bewusst damit beschäftigen, überlassen wir es ein wenig dem Zufall, ob unsere Selbstwirksamkeit stärker oder schwächer wird. Wenn du sie aktiv stärken möchtest, hast du verschiedene Möglichkeiten. Eine davon sind stellvertretende Erfahrungen.

Stellvertretende Erfahrung

Es bedeutet, dass du eine Erfahrung nicht selbst machst, sondern jemanden dabei beobachtest wie er die Herausforderung löst. Je mehr du dich mit dieser Person identifizieren kannst in Bezug auf Persönlichkeit, Alter, Geschlecht und Status, desto größer ist der Effekt bei dir. Schauen wir uns mal ein konkretes Beispiel an.

Du bist im vorletzten Semester deines Studiums und zweifelst, ob du die Abschlussarbeit meistern wirst. Nun lernst du eine Studentin kennen die dir in einigen Bereichen sehr ähnlich ist und im letzten Semester des gleichen Studiengangs ist. In euren Gesprächen erfährst du, dass sie sich schwer tut mit dem Lernen und der konzentrierten Arbeit an ihrer Abschlussarbeit. Sie erzählt dir aber auch, welche Strategien sie anwendet, wie sie sich motiviert und wie sie mit ihren Zweifeln umgeht. Am Ende des Semesters schließt sie mit einer guten Note ab und ihr feiert gemeinsam.

Dein Glaube an dich und deine Abschlussarbeit sind nun viel stärker. Obwohl du selbst gar kein Erfolgserlebnis hattest, sondern nur Beobachter warst. In deinem Kopf gibt es jetzt jedoch Bilder einer Erfolgsgeschichte, mit denen du dich identifizieren kannst. Diese Bilder und Lösungsstrategien werden dir helfen, deine eigene Abschlussphase deutlich sicherer anzugehen.

" In deinem Kopf gibt es jetzt Bilder einer Erfolgsgeschichte "

Stellvertretende Erfahrungen finden

Stellvertretende Erfahrungen sind ein wichtiger Bestandteil der Arbeit mit meinen Klienten. Ich liebe diese Strategie so sehr, da es da draußen unendlich viele potentielle bereichernde Geschichten gibt. In unserem direkten Umfeld, in Biografien, Filmen, Büchern und Liedern. Überall warten sie nur darauf, von uns entdeckt zu werden und uns zu stärken. Es sind also nicht nur die Erfahrungen, die wir direkt beobachten können, sondern auch die Erfahrungen, die in irgendeiner Form erzählt werden.

Gemeinsam mit meinen Klienten mache ich mich auf die Suche, nach passenden stellvertretenden Erfahrungen. Die individuellen Vorlieben desjenigen sind dabei besonders wichtig. Liebt er/sie Filme? Dann nehmen wir Filme. Hört er/sie gerne Musik? Dann suchen wir passende Songs. Du liest gerne? Dann machen wir uns jetzt auf die Suche nach passenden Büchern für dich.

Die passenden Bücher

Vielleicht fällt dir sofort ein Buch oder eine Buchfigur ein, die passen könnte. Es gibt Buchfiguren, die bleiben im Kopf und werden ein Teil unseres Lebens. Diese Buchfiguren eignen sich sehr gut, da du bereits eine Verbindung aufgebaut hast. Nutze diese.

Wenn du einen ganz konkreten Bereich hast, in dem du deinen Glauben an dich gerne stärken möchtest, dann mach dich auf die Suche nach einem passenden Buch. Welcher Roman beinhaltet dieses Thema? Gibt es ähnliche Thematiken mit vergleichbaren Herausforderungen?

Gibt es eine bekannte Person, die du inspirierend findest? Dann mach dich auf die Suche nach einer Biografie dieser Person. Biografien beschreiben oft sehr schön den teils steinigen Weg und können so eine besondere Inspiration sein.

Stell dich an dein Bücherregal und geh all die gelesenen und ungelesenen Bücher einmal durch. Welches Buch könnte für deine aktuelle Situation besonders passen? Welches spricht dich besonders an? Und frag auch deine (lesebegeisterten) Freunde. Oft bekommen wir dort die besten Tipps. Auch Kurzrezensionen können eine gute Hilfe bei der Suche nach einem passenden Buch sein.

Der wichtigste Schritt

Vielleicht merkst du bereits, dass es wichtig ist zu wissen, in welchem Bereich du deine Selbstwirksamkeit stärken möchtest. Bewusstsein ist in der persönlichen Entwicklung enorm wichtig. Wenn du nicht weißt, wo du etwas verändern möchtest, wirst du vermutlich nie an deinem Ziel ankommen. In meiner Arbeit steht dieser Schritt somit ganz am Anfang.

Manchmal geht es wirklich um eine ganz konkrete Situation. Häufig sind es aber auch diffusere Themen. Etwa, dass eine Klientin sich als Frau entwickeln und weiblich selbstbewusst werden möchte. Egal ob ganz konkret oder diffus. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, worum es geht. Bevor du dich also auf die Suche nach einem Buch machst frage dich, wo du vielleicht noch an dir zweifelst und wo du dich weiter entwickeln möchtest. Wenn dir beim Lesen dieses Artikels direkt eine Buchidee gekommen ist, kann das schon ein wertvoller Hinweis darauf sein, welche Thematik für dich wichtig ist.

Wenn du nun ein Thema und ein passendes Buch gefunden hast, geht es an die Arbeit. Und Arbeit darf hier sehr gerne viel Spaß machen. Die Arbeit an dir selbst ist etwas Wundervolles und Bereicherndes. Manchmal bedeutet das Tränen, aufgedeckte Verletzungen und Kummer. Ganz oft aber auch Erkenntnisse, freigesetzte Energie und Glücksgefühle. Lass dich also von dem Wort „Arbeit“ nicht abhalten, deinem Glück ein Stück näher zu kommen. Insbesondere nicht, wenn es nebenbei beim Lesen eines tollen Buches passiert.

Die Arbeit an dir selbst ist etwas Wundervolles und Bereicherndes.   

Die konkrete Umsetzung

Ich empfehle beim Lesen Zettel und Stift parat zu haben. Ich persönlich schreibe am liebsten per Hand. Und auch unser Gehirn verarbeitet das Geschriebene intensiver, wenn es per Hand geschrieben wird. Vielleicht hast du ja bereits ein Notizbuch oder ein Bullet Journal für solche Fälle parat.

Wenn du nun das Buch liest und genießt, habe deine Thematik im Hinterkopf. Dadurch wird deine Aufmerksamkeit ganz besonders auf all das gelenkt, was genau zu dem Thema und deiner Herausforderung passt.

Du findest beim Lesen eine interessante Lösungsstrategie? Schreibe sie auf. Du entdeckst einen Weg, wie das Problem aus einem anderen Blickwinkel betrachtet wird? Schreibe es auf. Du entdeckst einen Gedankengang den du spannend findest? Schreibe ihn auf. Alles was in irgendeiner Form zu deinem Thema passt darfst du notieren und für später aufbewahren. Ebenso alles was dich inspiriert, motiviert und Energie freisetzt. Bei mir sind das häufig kurze Szenen in denen eine Person einen Schlüsselsatz sagt. Diese Szene schreibe ich mir komplett raus, damit ich auch später noch den Zusammenhang erkenne.

Nach einer Lesesession kannst du auch all deine Gedanken zu dem Geschehenen aufschreiben. Hör dabei auf dein Gefühl. Manchmal sind es viele konkrete Dinge aus einem Buch die sich lohnen aufgeschrieben zu werden. Manchmal sind es auch einfach die Gedanken und Gefühle die beim Lesen entstehen. Es geht auch nicht darum, das halbe Buch abzuschreiben. Ziel des Aufschreibens ist es, dass die wichtigsten Dinge kurz und sicher an einem Ort notiert sind. Vergiss dabei auf keinen Fall, das Buch zu genießen!

Der Transfer in dein Leben

Der Transfer des neuen Wissens und der neuen Gedanken passiert oft automatisch bereits beim Lesen und Notieren. Nimm dir dennoch ein wenig Zeit zu überlegen, wie du all das für dich und dein Leben nutzen kannst. Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen dir und dem Charakter? Welche Lösungsstrategien und Gedanken möchtest du in Zukunft in dein Leben übernehmen? Da du dir die wichtigsten Stellen und Gedanken notiert hast, kannst du sie auch Monate oder sogar Jahre später noch für dich nutzen.

Der Transfer ist manchmal der schwierigste Part. Hole dir dafür gerne Unterstützung. Dabei ist es egal, ob es Freunde sind oder ein Therapeut oder Coach. Wichtig ist, dass es dir und deinem Leben hilft. Dass du deinem Ziel und einem glücklichen Leben ein Stück näherkommst. Wichtig ist auch nicht, wie schnell du dabei vorankommst. Es gibt nur ein einziges richtiges Tempo: dein ganz eigenes. Also lass dich nicht hetzen und auch nicht aufhalten. Finde deinen ganz eigenen Weg und dein ganz eigenes Tempo.

Buchempfehlungen

Ich möchte einige Buchempfehlungen mit dir teilen. Viele davon sind Jugendbücher, die ich jedoch auch als Erwachsene immer noch gerne lese und für mich nutze.

  • Ritter Tiuri hat mich in meiner Jugend begleitet und ist, auch wenn ich die Handlung größtenteils vergessen habe, ein Held der mir immer wieder Kraft gibt: Tonke Dragt „Der Brief für den König“ und „Der wilde Wald“
  • Amy und weitere wundervolle (und vor allem viele weibliche) Figuren aus der Trilogie von Justin Cronin haben mich in ihren Bann gezogen. Diese Geschichten sind so spannend und wundervoll geschrieben, dass ich jedes Mal traurig war wenn eines der Bücher zu Ende war: Justin Cronin „Die Zwölf“, „Der Übergang“ und „Die Geisterstadt“
  • „Das Nest der Träume“ von Rosa Montero zaubert mir jedes Mal wenn ich es sehe ein Lächeln ins Gesicht. Ich weiß nicht mehr wirklich worum es geht, aber es hat mir früher viel Kraft gegeben
  • Eine wunderbare Geschichte von zwei völlig verschiedenen Schwestern, von Freude und Trauer und Andersartigkeit erzählt „Helle Sonne, dunkler Schatten“ von Ruth White
  • „Siddhartha“ von Hermann Hesse wurde mir von einem Freund empfohlen. Ein wundervolles Buch, das jedes Leben bereichern sollte
  • Gretchen Asmussen ist ein wunderbares Mädchen und unternimmt mit ihrer Schwester Dorchen wundervolle Dinge. Alle Bücher über Gretchen Asmussen von Christa König sind lustig, inspirierend, begeisternd. Insbesondere für Mädchen ab 11 und für erwachsene Frauen die gerne Jugendbücher lesen
  • „Turmhoch und meilenweit“ von Tonke Dragt spielt in der Zukunft auf der Venus. Es handelt von Edu, der die gängigen Vorschriften durchbricht, weil seine Neugier größer ist als die Angst, die hinter den Vorschriften steckt. Er entdeckt eine ganz andere Welt die inspiriert und den Leser neu über unsere Kommunikation nachdenken lässt
  • „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“ von Hannah Green gibt wundervolle, erschreckende und ehrliche Einblicke in die Beziehungen und die Gedankenwelt einer an Schizophrenie erkrankten Patientin. Mir hat dieses Buch damals viel Kraft gegeben im Umgang mit meiner Depression
  • Eine Therapie die von der Patientin und vom Psychologen in Tagebuchform festgehalten wird. Absolut empfehlenswert für alle, die direkt oder indirekt mit dieser Thematik in Berührung gekommen sind: „Jeden Tag ein bisschen näher“ von Irvin D. Yalom und Ginny Elkin
  • Ich liebe Geschichten von starken Frauen. Absolut empfehlenswert die Geschichte von Fire und ihrer Entwicklung: „Die Flammende“ von Kristin Cashore
  • Auch wunderbar für inspirierende Frauenfiguren: „Die Säulen der Erde“ von Ken Follett

Dein nächster Schritt:

Mach dich auf die Suche nach einem passenden Buch. Oder grabe ein altes Buch wieder aus und lies es mit dem neuen Wissen ganz bewusst noch einmal.

Und nun bin ich neugierig. Welche Bücher und Buchcharaktere haben dich besonders inspiriert und den Glauben an dich selbst gestärkt?

Deine Esther

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